Arbeitsmarktsituation

Es liegt nicht am Alter – oder: wie geht es Frau Knackal?


Von den Bewerbern wird immer Ehrlichkeit und Authentizität gefordert. Wie sieht das auf Seiten der Personalvermittler bzw. Unternehmen aus? Automatisierte absagen sind immer auch Massenmails: nur nicht konkret werden, nur nicht auf die einzelne Bewerbung eingehen!

Diese Vorgehensweise ist verständlich, wenn es um das „Aussortieren“ einer Bewerbung geht. Die Personalisierung der Antwort auf 50 Bewerbungen, oft sogar mehr, ist ein großer bürokratischer Aufwand, der Kosten verursacht. Soweit so gut, wenn wenigstens die Anrede stimmt – ja, auch die Verwechslung der Geschlechter kommt vor! – ist das durchaus legitim.

Anonyme Abschreiben sind aber dann nicht akzeptabel, wenn man schon ein Vorstellungsgespräch hatte. Dann ist es denkbar unhöflich und wenig wertschätzend, wenn die Absage allgemeingültiges Blabla wie:
„Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass andere Kandidaten in die engere Wahl genommen wurden. Bitte berücksichtigen Sie, dass diese Entscheidung kein Werturteil Ihrer Qualifikation darstellt, sondern ausschließlich in Hinblick auf diese Position getroffen wurde.“

Natürlich ist es richtig, dass es keine persönliche Wertung darstellt, aber was gab letztlich den Ausschlag, warum ein anderer Kandidat statt meiner genommen wurde? Was kann ich das nächste Mal besser machen? In meinem Motivationsschreiben habe ich mich als sehr lernfreudig beschrieben, als jemand, der sich ständig weiterentwickeln möchte. Damit habe ich doch auch kommuniziert, dass ich für neue Aufgaben offen und lernfähig bin. Woran lag es aber tatsächlich? Also greife ich zum Telefon und frage nach.

In den wenigsten Fällen bekam ich bisher eine ehrliche Antwort. Die Angst, wegen einer harmlosen, aber wahren Aussage Schwierigkeiten zu bekommen, sitzt den Unternehmen im Nacken. Aber Hand aufs Herz: welcher Arbeitnehmer möchte sich in einen Arbeitsplatz hineinklagen? Nur um dann dort zu sitzen und extrem unbeliebt zu sein? Oder eine kleine pekuniäre Entschädigung zu kassieren, um die zu kämpfen es sich nicht einmal annähernd auszahlt?

jobsuche50+_minardi_knackal_1Hinter verschlossenen Türen bekam ich schon die eine oder andere Information von Personalvermittlern, die aus dem Nähkästchen plauderten. Demnach gibt es noch immer Geschäftsführer, die mehr Wert auf ein bestimmtes Aussehen ihrer Assistentinnen legen, als auf deren Kompetenzen und auf eine vorausschauende Arbeitsweise. Frau Knackal lebt also!

Ein anderes Beispiel ist das oft nicht verhandelbare Kriterium, dass keine Bewerber über 45 oder mit Migrationshintergrund im Recruitingprozess für eine bestimmte Position berücksichtigt werden dürfen. Leider helfen gegen solche inneren Einstellungen auch keine Antidiskriminierungsgesetze, die feiern nach wie vor fröhliche Urstände, nur halt hinter vorgehaltener Hand.

Umso erfreulicher, wenn man das in dem Zusammenhang so formulieren kann, ist die Aussage, dass der gesetzliche KV-Gehalt zu weit über dem zur Verfügung stehenden Budget liegt und ich deshalb den Job nicht bekomme. Diese Argumentation war ehrlich und glaubhaft. Somit weiß ich, es liegt nicht an meinen Qualifikationen oder an meinem Alter, dass ich den Job nicht bekomme, sondern an den gesetzlichen Rahmenbedingungen. Und für die können weder mein potenzieller Arbeitgeber noch ich. Gut, das ändert nichts am Ergebnis des Gespräches, nämlich, dass ich diesen Job nicht bekommen werde. Es zeigt nur wieder einmal auf, dass das herrschende Gehaltsschema dringend diskussionswürdig ist, weil es selbst im höchsten Maße ältere Arbeitnehmer diskriminiert, indem es sie schwerer vermittelbar macht. Anstatt die Gehaltskosten für Arbeitnehmer über 45 von staatlicher Seite zu übernehmen, muss schnellstens eine Reform der kollektivvertraglich geregelten Gehälter her! Es würde die Sozialausgaben entlasten und Arbeitnehmer 50+ in der Beschäftigung halten.

Doch zurück zu meiner Absage und der Fußfessel Kollektivvertrag. Ich wünsche dem Geschäftsführer, dass er eine jüngere – weil billigere – Mitarbeiterin mit den benötigten Qualifikationen findet und diese nicht nach einigen Monaten Betriebszugehörigkeit ihre Familienplanung startet. Denn dann wäre ich nämlich die kostengünstigere Wahl gewesen.

Bildquelle: http://www.kukuk.at/event/90

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