Psychische Belastungen

Die Ängste – Wohlgesonnene Warner oder kultivierte Plagegeister?


Es ist 3:25 uhr morgens. Christian schaut wie so oft um diese nachtschlafene zeit auf die uhr. Gerade ist er wieder wach geworden, geweckt von seinen ängsten. Im schutz der dunkelheit haben sich die düsteren gedanken angeschlichen und spielen in seinem kopf ringel-reihe. Tagsüber passiert das nie, aber in der nacht glauben die alten dämonen wieder oberhand zu haben. Warum die sich nie bei tageslicht zeigen? Ganz einfach: weil Christian da klarer sieht und sie entlarvt!

Nehmen wir einfach mal die taschenlampe zur hand und beleuchten die ach so tapferen, die sich nur an ihn herantrauen, wenn er schläft. Wer ist denn da aller mit von der partie?

jobsuche50+_minardi_gespensterDie Angst vor Veränderung – „Was kommt auf mich zu?“ „Schaffe ich das?“
Sie macht unsicher, da neues territorium betreten wird. Gewohntes existiert nicht mehr, eine neue situation tritt ein. Wir müssen uns erst einmal zurechtfinden, unsere gewohnheiten anpassen.

Die Angst vor Prestigeverlust
Ohne job fühlen sich viele menschen plötzlich nackt. Keine visitenkarte, kein dienstwagen, kein schild an der bürotüre, welche die identität bestätigen. „Ich bin da.“ „Ich bin gut.“ „Ich bin xy-manager.“ Das berufliche umfeld, in dem man die meiste zeit des tages verbringt, ist plötzlich eine verschlossenen welt. Die zugehörigkeit zu einer sozialen gruppe, den kollegInnen, ist gekappt. Man steht plötzlich für sich alleine und muss sich neu definieren. Vor allem männern fällt dies sehr schwer. Frauen finden oft im familiären umfeld rasch wieder eine tätigkeit, die ihren selbstwert vorübergehend aufrechterhält. Das ist für viele männer, vor allem angehörigen der älteren generationen, keine alternative und sie fühlen sich nutzlos.

Die Angst vor finanziellen Einbußen
Den gürtel enger schnallen tut immer weh. Obgleich es auch sehr lehrreich sein kann, wenn man gezwungen wird, seine finanziellen gebaren zu durchleuchten. Irgendwo gibt es immer einsparungpotenzial, auch wenn es schmerzt. Zurückschrauben tut niemand gern und wenn auch noch kredite für haus oder wohnung, ausbildungskosten für kinder, etc. im spiel sind, dann kann diese angst für eine sehr konkrete bedrohung stehen.

Die Angst vor Ausgrenzung – „Was werden denn die leute sagen?“ „Ich halte arbeitslose ja eigentlich für sozialschmarotzer, also werden das die anderen auch von mir sagen, wenn ich in der situation bin.“
In zeiten der vollbeschäftigung waren jene menschen arbeitslos, die entweder aus triftigen gründen nicht arbeiten konnten oder andere, die sich schlicht nicht in ein system hineinzwingen lassen wollten und gewillt waren, den preis dafür zu zahlen. Genau für diese menschen ist ein sozialsystem wie das unsere da, nämlich, dass die schwächeren glieder der gemeinschaft auch mitgetragen werden können. Heute, in der ära der steigenden arbeitslosenzahlen, sind nicht nur diese menschen betroffen. Die meisten können und wollen arbeiten und leistung erbringen. Und doch haben sehr viele noch die alten muster im kopf. Vor allem, so lange sie selbst noch arbeit haben.

Die Angst vor Selbsterkenntnis – „Ich möchte was in meinem leben ändern.“ „Meine leiter steht an der falschen wand.“ „Ich bin in der beruflichen sackgasse.“
Viele menschen wissen insgeheim, dass sie nicht glücklich sind, dort wo sie stehen. Aber ihnen fehlt der mut, um änderungen anzugreifen. Denn das bedeutet wieder ver-änderung, vor der viele angst haben. Wenn uns dann der spiegel in form einer person vorgehalten wird, die es gewagt hat, diese änderungen in angriff zu nehmen, dann fühlen wir uns ertappt. Und das wiederum ist kein gutes gefühl. „Die traut sich und ich nicht!“

Die Angst vor der Zukunft – „Wie soll es weitergehen?“
Diese angst gehört zu den schlimmsten und den unnötigsten ängsten von allen. Denn die zukunft wird immer eine unbekannte bleiben und wir können sie nicht ändern, indem wir paralysiert stillsitzen und warten, was die zukunft bringen wird. Oft fällt aber das aufstehen schwer und man weiß nicht, wo anfangen.

Ganz sicher gibt es noch mehr von diesen fiesen einflüsterern. Grundsätzlich sind ängste ja hilfreich und beschützen uns. Wenn sie uns nämlich davor warnen, dass wir zu schnell mit dem auto um die kurve brettern oder uns vorsichtig werden lassen, wenn wir den topf mit kochendem wasser vom herd nehmen möchten. Vorsicht, zu schnell! Vorsicht, heiß!

jobsuche50+_minardi_angstAber die ängste, die mitten in der nacht auftauchen und uns nicht mehr einschlafen lassen, sind uns nicht wohlgesonnen. Die können wir getrost wieder wegschicken und ihnen nachrufen, dass sie gefälligst nicht wieder kommen sollen. Die blockieren uns nämlich nur. Aber so einfach ist das für viele leider nicht. Schließlich wurden diese ängste über lange jahre kultiviert, wir haben sie von unseren eltern übernommen. Sie sind uns vertraut, wir haben sie lieb gewonnen weil sie uns „helfen“, gute ausreden für unser nicht-handeln zu finden.

Diese unnötigen ängste können bekämpft werden. Die geeignete methode kann für jeden menschen unterschiedlich sein. Oft hilft es, einfach nur in den arm genommen zu werden und dann wieder braucht man hilfe von außen. Psychotherapie, kinesiologie, energiearbeit, hypnose, gespräche mit freunden sind nur einige methoden, die helfen können. Wichtig ist, dass sie bekämpft werden, sonst rauben sie die energie, die für das vorankommen benötigt wird. Vielleicht muss die wut auf die schlafraubenden geister erst noch viel größer werden, damit die veränderung aus eigener kraft in angriff genommen wird. Es ist wie mit dem rauchen aufhören: man schafft es aus eigener kraft, mit hilfsmitteln oder mit unterstützung dritter. Aber man schafft es, wenn man wirklich will!

Oh nein! Schaut sie da schon wieder um die kurve, die angst vor veränderung?

(Weitgehend) angstfreie grüße
Roswitha

Literaturempfehlung:
Gerald Hüther – Biologie der Angst – Wie aus Stress Gefühle werden

Fotos:
© Hozi, fotocommunity.de
© Cranach, shutterstock

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