Dies und Das

Gibt es Parias in Mitteleuropa?


„Hey, schön Dich zu treffen! Das ist ja eine überraschung! Wir haben uns ja schon ewig nicht mehr gesehen. Wie geht’s Dir denn?“
Ich habe ganz unverhofft eine liebe bekannte getroffen. Wir freuen uns über diesen schönen zufall, stahlen uns an und umarmen uns.
„Danke der nachfrage. Es geht mir sehr gut. Ich bin gerade auf jobsuche.“
Abrupt werde ich losgelassen und der tonfall ändert sich von einem moment auf den anderen.
„Oh!“
„Ja, es ist nicht gerade ein spaziergang, aber ich bin zuversichtlich, dass ich bald eine gute und vor allem interessante stelle finden werde. Auch wenn ich mit über 50 nicht mehr zu den nachwuchskräften zähle. Immerhin habe ich einiges auf dem kasten.“
Meine bekannte macht ein betroffenes gesicht und vermeidet den blickkontakt.
„Na dann wünsche ich Dir alles gute. Du, ich muss jetzt weiter, weißt eh …“
Ich kriege noch ein flüchtiges küsschen und im eiligen weggehen wird mir über die schulter hinweg noch mitgeteilt, dass wir uns bald wieder mal treffen sollten.

Mundschutz KopieSo und ähnlich ging es mir mittlerweile zweimal. Ich habe den eindruck, dass manche menschen arbeitssuche für ansteckend halten.
Was immer Euch, die Ihr so reagiert, dazu veranlasst, die gute nachricht ist: wir sind es nicht! Kein grund also, uns als parias zu behandeln.

Die abwehrreaktion kann verschiedene ursachen haben, aber immer ist es angst vor etwas. Angst vor veränderung, vor prestigeverlust, vor dem „nicht mehr dazugehören“. Und dennoch gilt für diese situation die – zugegebenermaßen schon abgedroschene – feststellung: jedes ende beinhaltet auch die chance auf neues.

Ich weiß aus eigener erfahrung, dass es nicht immer leicht ist, sich das vor augen zu halten. Dennoch ist es wahr! Wir reflektieren, was wir in der vergangenheit bereits alles bewerkstelligt haben, wir erkennen, welche erfolge wir schon eingefahren haben. Spätestens bei der ersten bewerbung müssen wir uns wieder intensiv mit uns selbst auseinandersetzen, unsere stärken und schwächen bewusst wahrnehmen und uns auf neues terrain begeben. Wären wir im alten job weiter festgesteckt, so hätten wir diese möglichkeit der persönlichen weiterentwicklung nicht. Für viele ist es auch der moment der weiterbildung. Wo habe ich noch wissenslücken? Wie kann ich meinen marktwert weiter steigern?

Ich persönlich habe z.b. kurse in den neuen marketingtechniken – social media marketing, content management, search engine optimisation – belegt. Legt man seinem betreuer beim AMS eine liste der kurse vor, die man gerne besuchen möchte, vorzugsweise schon mit konkreten angaben über veranstalter, kursdauer und preis, so stehen die chancen gut, dass man diese gefördert bekommt. Wer nicht fragt, der nicht gewinnt! Somit bekommt man wenigstens die weiterbildung, die zur persönlichen entwicklung passt und nicht irgendeinen kurs übergestülpt, wo es am ende schade ist, dass dafür fördergelder verschwendet werden.

Liebe beschäftigte freunde/ verwandte/ bekannte: Ihr könnt ruhig weiter mit uns reden, wir sind nicht ansteckend, sondern in veränderung begriffen und daher höchstens inspirierend. Aber vielleicht macht Euch genau das angst, dass ihr womöglich auch anfangt, über Eure situation nachzudenken. Nun ja, das könnte tatsächlich gefährlich werden und konsequenzen nach sich ziehen …

Also doch: obacht beim umgang mit uns arbeistlosen! Ansteckungsgefahr!

Inspirierende grüße
Roswitha

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