Bewerbung

Erkenntnisse nach Bewerbung Nr. 48 Oder: Application Academy


Jetzt bewerben Tastatur. FingerGestern habe ich meine bewerbung nr. 48 abgeschickt. Aktiv suche ich nun seit ende februar diesen jahres und ich habe sehr viel dabei gelernt. Interessant ist es zu sehen, wie sich der fokus meiner bewerbungsstrategien langsam verändert. Anfangs habe ich mich für allen nur annähernd in frage kommenden stellen beworben, doch im laufe der zeit gewinnt man weitere erkenntnisse über sich und seine ziele. Auch wenn man glaubte, diese schon vorher gut gekannt zu haben. Das bild vom richtigen job schärft sich, das herrschende angbot wird eingegrenzt. Man beginnt, auch zwischen den zeilen der stellenanzeigen zu lesen.

Mitarbeiter sind unser größtes Kapital

Ebenso wird die vorstellung vom richtigen arbeitgeber konkreter. Homepages geben einen guten, meist auch realistischen eindruck von der unternehmenskultur. Wie ist die bildsprache angelegt? Bestehen die texte ausschließlich aus managementfloskeln? Sehr beliebt sind formulierungen wie „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“ oder „Unsere Mitarbeiter sind unser größtes Kapital“. Sehr schöne aussagen. Aber warum ist dann auf der gesamten homepage keine einzige person zu sehen, nur maschinen oder produkte?  Ach, da habe ich ja doch noch fotos von menschen gefunden: auf der seite der geschäftsführung sehen mich sehr wichtig dreinblickende personen in managementpose an. Na jungs, ganz glaube ich euch euren angeblich wertschätzenden führungsstil aber nicht.

Kollektivvertragliches Mindestentgelt

Die regelung, dass im stellenangebot das kollektivvertragliche mindestentgelt angeben werden muss, ist seit märz 2011 in kraft. Hintergrund dieser vorschrift ist das gleichstellungsgesetz. An sich eine gute sache. Mir ist aber nun aufgefallen, dass auch bei branchengleichheit diese angaben extrem differieren. In einem fall um fast 100%. Was soll man also davon halten?  Als bewerberIn würde ich diese angaben erstmal nicht als festgeschrieben oder auch nur als benchmark hinnehmen. In einem telefonischen interview wurde ich nach meinen konkreten gehaltsvorstellungen gefragt. Diese lagen bei mehr als dem doppelten des angegebenen mindestentgeltes. Die reaktion darauf hat mich schier verblüfft. „Das ist kein problem, damit liegen Sie noch innerhalb unserer vorstellungen.“ Ist das nun bereitschaft zur überzahlung oder schlicht eine falsche gehaltsangabe?

Für unser junges team suchen wir …

Diese formulierung sagt mir, dass ich mir gar nicht erst die mühe machen muss, eine bewerbung zu schreiben. Das ist eine mehr oder weniger elegante art, den gleichbehandlungsgrundsatz zu umgehen und erspart dem arbeitgeber unnötigen aufwand bei der bewerberauswahl, indem er alle jahrgänge unter 19xx gar nicht erst aussortieren und – gott bewahre – ihnen auch noch absagen muss.

Employer Branding

Für viele konzerne mittlerweile mehr als ein schlagwort des modernen managements. Auf plattformen wie kununu, auf denen arbeitgeber bewertet werden können, werden nicht beantwortete bewerbungen unter nennung der unternehmen ausführlich kommentiert. Diese foren werden für das image großer firmen immer wichtiger und so wird employer branding in vielen konzernen implementiert. Zur beurteilung eines arbeitgebers werden verschiedenen kennzahlen herangezogen. Darunter gibt es aber auch einige, die hinterfragenswürdig sind.

Clipboard surveyEin solcher KPI, verwendet von einem internationalen handelskonzern, ist z.b. die reaktionsgeschwindigkeit auf bewerbungen. Innerhalb von 2 werktagen müssen bewerber verständigt werden, ob sie in die engere wahl kommen oder ob ihnen höflich gedankt wird.

Schon am tag nach absenden meiner engagiert formulierten und mit recherchearbeit erstellten bewerbung eine freundliche, aber negative nachricht zu bekommen, hinterließ bei mir den schalen beigeschmack von „aussortiert“.

Ich sehe das bewerben mittlerweile nicht mehr nur als reine zweckgebundene aufgabe, um arbeit zu bekommen, sondern als fulltimejob mit hohem lern- und spaßfaktor. Man könnte sagen, ich besuche die Application Academy. Spannend und bereichernd ist es allemal!

Lernfreudige grüße
Roswitha

 

 

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